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G. Pechet Reber

Kantenreiter

Roman

Erscheint im November 2012

Rumba bietet einiges:
Dem, was Gesellschaft genannt wird, den Kleinmütigen, die vor den scheinbar unerschütterlichen Strukturen der Macht resigniert haben,
bietet seinen eigenen Möglichkeiten, Teil dieses Daseinskonzepts zu werden, hartnäckig die Stirn, wirft sicherheitshalber kurz vor dem
‘Erfolg’ alles weg. Sein Umfeld überhäuft ihn mit Angeboten und belegt ihn umgehend mit Verboten, so oder so, Rumba lässt sich nichts bieten.
Nicht wenig gäbe es in diesem Leben zu beklagen, aber G. Pechet Reber lässt Rumba, sein Alter Ego, nicht klagen, und wenn es doch
einmal zur Anklage kommt, ist sie im Gewand eines Simplicissimus, eines Schwejk oder Felix Krull kaschiert.
Immer wieder darf man hoffen, es möge jetzt doch eine Wende zum Guten nehmen in diesem unsteten Dasein, aber so richtig gut kommt es nie, und das ist gut so – für Rumbas Lebensentwurf, für die Authentizität und Glaubwürdigkeit dessen, was uns da geboten wird.
Pechet ist ein gebildeter Mensch, er hört es nicht gerne, wenn man ihm das sagt, spricht aber gelegentlich mit gutem Recht von seiner Studienzeit, wenn er sich an die zwei Jahre in einem Römer Gefängnis erinnert. Pechet selber bekennt sich zum Musiker, lässt Rumba als Schlagzeuger einen konsequenten Offbeat schlagen
gegen alle zu eingängigen Rhythmen jeglicher Herkunft.
Hier liegt ein Buch vor für Offroader, Frauenverehrer, Einzelgänger, Orientierungslose, Improvisatoren, Unbeugsame, für alle, die Männerwelten und unbegründeter Lebensfreude etwas abzugewinnen vermögen.

ca. 400 Seiten, CHF 36.-, Euro 26.-
ISBN 3-905110-32-6
AutorInnenverlag Bern/
Edition Hartmann

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Leseprobe

«Rumba erinnerte sich an ein Weihnachtsfest im Aarewäldchen, wo sich zwei Frauen an den Haaren rissen, sich bissen, kratzten und traten, so fest wie sie nur konnten, schonungslos wie Katzen.
Später sah er im Lichtkegel des Feuers, wie zwei Männer mit Messer und Stangen aufeinander losgingen. Es war ein heilloses Durcheinander. Rumba wurde in solchen Situationen meist von einer Frau, hauptsächlich der Grossmutter, vom Geschehen weggeführt und abgelenkt. Manchmal kauerte er unter weinenden Frauen und hatte selbst panische Angst um Mutter und Vater.
Einmal kam die Grossmutter auf Besuch am Jägerweg. Sie übergab Rumba einen Sack und sagte, es sei ein Geschenk für ihn drin. Rumba griff in den Sack und erschrak, es war ein Igel darin, der zuckte und schnaubte. Am Abend wurde der Stachelig auf geheime und fast rituelle Art und Weise, fern von Kinderaugen getötet, geschlachtet, präpariert, geschmort, mit grosser Vorfreude serviert und von den Anwesenden mit Hochgenuss gegessen.
Wenn die Grossmutter in Fahrt kam, gab es meistens was zu lachen. Sie erzählte Geschichten, las den Leuten aus den Karten und der Glut des Feuers.
Dass sie sozusagen auf Abruf furzen konnte, lag vielleicht am Schnaps und dem Tabak, von dem sie morgens bis abends eiergrosse Bollen im Mund hatte. Schleichend angefangen hatte die Sucht bei ihr bereits mit 25 Jahren. Faule und hohle Zähne wurden mit Nelken und Tabak betäubt. Zahnarzt war ein Fremdwort, Geld ein Phantom. Im Wagen und später in den Wohnungen spuckten sie und ihr Mann, der Grossvater, der auch Tabak kaute, gemeinsam in einen Topf, unter oder neben dem Tisch. Da der Grossvater nur kleinere Mengen kaute, konnte er immer und überall ‘schiggen’. Er schluckte den Saft einfach. Die Grossmutter ‘schiggte’ nur in Anwesenheit von Familienmitgliedern und guten Freunden. Tauchte überraschend jemand auf, nahm sie die zwei Bollen eiligst aus dem Mund und hielt sie oft lange in der Hand, bis die Gelegenheit da war, sie in der Schürze zu verstecken, um sie später wieder weiterzukauen.
Sie strahlte, wenn man sie bat, eine Lunte zu zünden, wobei sie sich konzentrierte, lächelnd zu Rumba schaute und ihn fragte: «Soll ich?» Rumba, der jedes Mal ganz begeistert zustimmte, konnte es fast nicht erwarten. Die Grossmutter stemmte sich, mit dem Rücken zur Wand sitzend, auf den Stuben-Ausziehtisch, liess sich einen Stuhl bringen, wo sie ein Bein draufstellte, das andere auf den Tisch legte. Sie schlug ihren Rock zurück, zündete ein Streichholz, hielt dieses nahe an ihre wollenen Unterhosen und furzte je nachdem, schränzend, krachend oder manchmal fast nicht hörbar zischend. Die blaue Stichflamme, die es jedes Mal gab, versetzte die jeweilige Gesellschaft in ein solches Gelächter, dass diese sich grölend vor lachen am Boden wälzte.
Aus der Furzsammlung von Rumbas geliebten Grossmutter Bertha selig:
Blumenfürze
Regenfürze
Liebesfürze
Schnapsfürze
Bierfürze
Bauernfürze
Primerfürze
Greubifürze
Kaffifürze
Angstfürze
Verräterfürze
Lügenfürze